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30 Sep, 2018   |     |   0

Künstlerische Ausdrucksmittel und ihre kunsthistorischen Entwicklungen – die Zeichnung

Was genau ist eine Zeichnung und wie entwickelte sie sich in der Kunst? Diesen zwei Fragen geht dieser Text kurz einmal nach. Zeichnen, zeichnen, zeichnen, ein schönes Wort und eine schöne Tätigkeit, hinter der viel Kreativität liegen kann und die dem Betrachter auf einfache Weise und durch simple Ausführung die Schönheit der Welt näher bringen kann.

Per Definition ist eine Zeichnung ein Abbild eines Motivs in einer vereinfachten Weise. Linien und Strich charakterisieren die Zeichnung. Das Motiv oder auch Sujet kann alles sein, von einer Person über eine Landschaft bis hin zu einem beliebigen Gegenstand kann eine Zeichnung alles darstellen. Zeichnungen können detailreich gestaltet sein, mit Schattenspiel, verschiedenen Lichteinflüssen, sie kann aber auch nur mit wenigen Strichen ein Ergebnis zeigen. Auch die Materialien zur Erstellung können mannigfaltig sein, Papier oder Leinwand als Unterlage, Bleistift, Aquarellfarbe oder gar verdünnte Ölfarbe, vieles ist denkbar und einsetzbar.

Studie von Guil Zekri

Eine Zeichnung ist wunderbar, mit einfachen Mitteln kann sie so viel schon erreichen, dabei muss sie nicht eine Vorstufe zum Gemälde sein, sie kann durchaus sehr eigenständig sein und wirken.

Im engeren Sinne und einer klassischen Definition betont eine Zeichnung die Umrisslinien eines dargestellten Gegenstandes. Ergänzt durch Schraffuren können Eindrücke intensiviert werden. Dabei kamen in der Vergangenheit immer mehr Mittel in der Zeichnung zum Einsatz, nicht mehr nur Bleistift oder Pastellstifte erzeugen eine Zeichnung, mittlerweile können Zeichnung auch durch beispielsweise verdünnte Ölfarben geschaffen werden. Die Grenzen zu einer Malerei sind nun fließend.

Es beginnt mit dem Beginn der Kunstgeschichte des Menschen, dort findet die Zeichnung ihre Anfänge. Felszeichnungen gab es schon aus der Zeit von ca. 20.000 v. Chr. Diese dienten vornehmlich erst einmal der Kommunikation, denn eine Wortsprache gab es in der Zeit noch nicht. Daher waren die Motive auch Jagdszenen, Kriegsszenen und andersartige Symbole mit vielleicht religiösem Ursprung. Später dann kam eine umfangreichere Zeichen- und Symbolsprache hinzu, die in Zusammenhang mit der Entwicklung von Worten stehen könnte. Augenmerklich waren aber die Linienzeichnungen.

In Ägypten durch die Hieroglyphen und im späteren Rom durch Fresken wurde die Zeichnung immer wieder genutzt, nicht nur zur Kommunikation, nun auch zu dekorativen Zwecken, und um Geschichten zu erzählen. Ab ca. 500 v. Chr. Sollen die ersten Zeichnungen auf grundiertem Holz entstanden sein, und dann auch auf Pergament, dem Vorläufer des Papieres.

Studien unserer Studenten

Im Mittelalter wird die Rolle der Zeichnung gerade im Hinblick auf Vorabzeichnungen für Gemälde oder Altarbilder, gerade auch in der Buchmalerei, wichtiger. Dennoch war sie nur eine Übung, eine Vorabstudie und hatte keinen eigenen Wert. Mit Beginn der Neuzeit im 15. Jahrhundert wird sie dann noch eigenständiger und besonders durch Leonardo da Vinci zu einem eigenen Kunstwerk. Auch erst hier wurde sie anerkannter. In dieser Zeit bemühten sich die Künstler um möglichst realistische Darstellungen, hierfür waren gekonnte Zeichnungen eine Voraussetzung. Viele Zeichnungen sind in Skizzenbüchern der Künstler dieser Zeit noch erhalten. Das deutet daraufhin, dass Zeichnungen als bildliche Studien genutzt wurden und als Vorlagen für spätere Gemälde. Zeichenwerkzeuge waren meist Kohle, Kreide Rötel auf Papier, manchmal auch Tinte oder Feder. Später, so auch im Barock, entwickelte sich die Zeichnung immer weiter und wurde eigenständiger. Künstler sahen in ihr nicht nur Übungen und Vorlagen, sie wurden unabhängig. Rembrandt beispielsweise war ein vielseitiger Zeichner, rund 2000 Zeichnungen hinterließ er der Nachwelt. Im 18. Jahrhundert kommen immer neue Impulse zur Entwicklung der Zeichnung, neue farbige Kreiden und Pastellfarben konnten von Künstlern genutzt werden, besonders ins Porträtstudien, da zu dieser Zeit das Individuum maßgeblich war, und Landschaftszeichnungen. Der Theoretiker Federico Zuccaros stellte 1607 Überlegungen zur Zeichnung an und verglich sie mit dem Schöpfungsakt Gottes. Etwas weit hergeholt vielleicht, doch für die damalige gläubige Zeit durchaus verständlich. Am Anfang der Schöpfung gab es die Idee, ein Konzept, diese wird dann zur Zeichnung, dies ist die Veranschaulichung und Verkörperung der Idee. In der Zeit Zuccaros gab es einen Disput zwischen dem Primat der Linie und dem Primat der Farbe, was war wichtiger? Was war entscheidend. Zuccaro bezog hierbei die Stellung der Zeichner. Das Ende des Liedes war, dass das Primat der Linie, also die Zeichnung, allgemein anerkannt wurde. Die Zeichnung wurde zur Grundtechnik erklärt, und das ist sie noch bis heute. Im Verlauf der Zeit wurde die Zeichnung aber auch immer mehr als eigenständiger künstlerischer Ausdruck benannt. Im 18. Jahrhundert fand die Zeichnung zunehmend eine Sammlerschaft, die auch besonders den schwarz-weiß Kontrast einer einfachen Zeichnung ohne Farbe schätzten. Doch bis zum 19. Jahrhundert unterschied man immer noch die theoretischen Grundlagen von Malerei und Zeichnung.

Die Moderne zeichnet sich im Bereich der Zeichnung besonders durch Vielfalt aus. Es sind kaum noch Grenzen in der Wahl der zeichnerischen Mittel gesetzt und die Grenze zur Malerei verschwimmt immer mehr. Was ist Zeichnung und was ist Malerei? Unterschiede sind nur noch schwer zu greifen, vor allem, da auch die Zeichnung immer eigenständiger wurde und heute als eigenes Kunstwerk gesehen werden kann. Die Linie, das Markenzeichen der Zeichnung, verwischte auch mehr und mehr. Abgrenzungen können nun verwischt werden, Farben werden eingesetzt und Hintergründe können ausgemalt werden. Doch in der Moderne war dies gewünscht, Regeln und Normen, die die Kunst bestimmten, sollten nicht mehr gelten und ausgehebelt werden, so auch bei der Zeichnung und deren Kriterien zur Charakterisierung. Doch der Begriff der Zeichnung erhielt nicht die gleiche Bedeutung wie der der Malerei oder Skulptur. Die Zeichnung blieb immer eine Tochter oder eine Vorstufe. Dies änderte sich allerdings mit der Entwicklung der Karikatur und des Comics. Die Zeichnung gewann so eine stärkere Rolle in der Populärkultur. Durch die Entwicklungen im Krieg, der Globalisierung und ähnlichem, gewann die Zeichnung und Skizze immer weiter an Bedeutung. Künstler mussten auf reisen, im Exil, fern von ihren Staffeleinen weiter Kunst schaffen, die Zeichnung ermöglichte dies.

Studien unserer Studenten

Die Zeichnung besteht aus einzelnen Linien, eine alleine für sich, wäre abstrakt, doch in ihrer Gesamtheit zusammen erst ergeben mehrere Linien einen Gegenstand, ein Motiv oder eine Figur. Betrachtet man dies näher, wird die Bedeutung der Zeichnung im Grunde erst so richtig bewusst. In der Zeichnung reduziert sich der Gegenstand auf Linien und Umrisse dessen, nur das für das Auge Wahrnehmbare wird dargestellt.

Die Zeichnung hat in der Kunst eine enorme Bedeutung. Die Linie, die Kontur, die Formen, all dies kann im Gemälde nur dargestellt werden, wenn die Zeichnung im Vorfeld ausgearbeitet wurde. Aber auch als eigenständiges Medium ist die Zeichnung von Bedeutung. Hier zeigt sich das Können in großem Maße.

Die Zeichnung ist die Grundlage fast eines jeden Werkes. In der Theorie geht die Kunst beim Prozess des Erschaffens eines Werkes von zwei Stufen aus. Zunächst als erstes gibt es die Idee, die dann als Skizze bzw. Zeichnung meist auf Papier festgehalten wird. Die zweite Stufe dieses theoretischen Modells ist dann die schlussendliche Ausführung der Idee und wurde lange in der bildenden Kunst als die eigentliche künstlerische Leistung angesehen. Ein Zwischen schritt war das Aquarell. Doch diese Sichtweise erfuhr eine allmähliche Änderung und Entwicklung bis hin zum autonomen Werk der Zeichnung, beginnend in der Neuzeit, ab circa 1500.

Und Basis der Zeichnung ist die Linie. Aus ihr heraus und in Zusammenführung der verschiedenen Linien, eventuell gemischt mit Farbe, entstand die Zeichnung.

Studien unserer Studenten

Eine Zeichnung kann eigentlich auf jeder Fläche, ob glatt, angeraut, angebracht, gezeichnet werden. In der Steinzeit waren es Höhlenmalereien, auch kleine Zeichnungen, geritzt in die Wand. Im Mittelalter konnten Zeichnungsträger auch Leder, Holz oder Pergament sein. Heute allerdings ist es oft Papier, auf der gezeichnet wird. Es gibt hier Qualitätsunterschiede und auch extra angefertigtes Künstlerpapier mit spezieller Textur zum Beispiel handgeschöpftes Papier. Graphit-, Bei- oder Rötelstifte können genutzt werden zum Zeichnen, daneben aber auch mit Pinsel nasse Farben wie Aquarellfarbe oder auch verdünnte Acrylfarbe. An Zeichenmittel sind im Grunde keine Grenzen gesetzt. Auch Kohle wird gerne zum Skizzieren und Zeichnen eingesetzt.

Große Zeichner der Kunstgeschichte waren unter anderem Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Francisco de Goya oder Joseph Beuys. Diese beherrschten so also nicht nur malerische Techniken, sondern auch das Skizzieren.

Die Zeichnung kann mitunter nur Vorstufe zu malerischen Werken sein, muss aber nicht, sie kann auch für sich stehen. Dabei steht sie auch nicht unbedingt in ihrer Schönheit, Faszination, Ideenreichtum hinter dem Gemälde zurück.

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